Die Müller-Dynastie

TUGER

und

ihre Mühlen in Heppenheim

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von Dr. Hermann Müller

 

 

 

 

 

Stand: 28. Oktober 2016

Ergänzung erfolgt nach Bedarf

 

 

 

 

 

 

Die Müller-Familie TUGER wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts - bis 1912 - zur reichsten und bedeutendsten Müller-Familie in Heppenheim. Durch ihren geradezu systematischen Ausbau der Macht und des Wohlstandes hebt sie sich von den "normalen" Müller-Familien (Müller-Sippen) ab und man kann sie - entsprechend der Begriffsbildung z. B. bei den Saarländischen Familienforschern - als Müller-Dynastie bezeichnen.

 

Johannes Tuger (das älteste bekannte Mitglied der Tuger-Sippe und damit der Stammvater dieser Sippe) war zuerst Müller auf einer Mühle in Laudenbach, die am 10.08.1757 bei einem extremen Unwetter zerstört wurde. Dabei wurden auch seine zwei Kinder getötet. Ende 1769  kam er nach Heppenheim, pachtete die später nach der Familie benannte Tugersmühle am Stadtbach und wurde zum Stammvater der Heppenheimer TUGER. Diese Familie (Sippe) besaß einst im Stadtgebiet der Kreisstadt Heppenheim drei Mühlen:

 

1.) Die Tugersmühle  (später KLN) in der Siegfriedstraße am Stadtbach

 

2.) Die Kirchmühle (zeitweise auch Tuger'sche Mühle genannt) in Unter-Hambach gegenüber von der Kirche

 

3.) Die Tugersmühle in Unter-Hambach am östlichen Ortsausgang

 

 

Nachfolgende Ausarbeitung informiert über die TUGER und ihre Mühlen und wird nach Bedarf ergänzt.

 

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Tugersmühle in der Siegfriedstraße

 

(Heppenheimer Mühle Nr. 21 nach Heinz Reitz) - Siegfriedstraße 124 (vor der Talverengung, gegenüber der Einmündung des Schleifwegs in die Siegfriedstraße).

 

Die Mühle wurde in früheren Jahrhunderten Schleifmühle genannt. Schleifmühle ist als Verkürzung von ‚Mühle an der Schleif‘ zu verstehen, jedoch nicht als ‚Mühle, in der Gerätschaften geschliffen werden‘. Sie hieß später auch Tugersmühle nach dem Müller-Geschlecht Tuger das seit 1769 die Mühle pachtete und sie mindestens seit 1811 besaß.

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Die Mühle wurde vermutlich im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau und der Erweiterung der Stadt nach dem großen Brand von 1369 errichtet. Durch den Bau des äußersten Mauerzuges der Stadtmauer (4. Mauerzug nach H. Winter) und die Verlegung des Stadtbachs vor diesen Mauerzug änderten sich die Bedingungen für die Mühlen entlang des Stadtbachs. Hilfreich war, dass im 14. Jahrhundert die ersten oberschlächtig angetriebenen Wasserräder in Deutschland zum Einsatz kamen. Der Mühlgraben am Schloßberg wurde nach 1369 und vor 1480 erbaut und diente der Versorgung von drei Mühlen (Tugersmühle, Weihersmühle und Schäfersmühle), deren Wasserräder oberschlächtig mit Wasser, welches aus dem Stadtbach abgeleitet wurde, angetrieben wurden. 

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Die  gemeinsame Nutzung eines Mühlgrabens durch drei hintereinander liegende Mühlen führte fast zwangsläufig zu Streitigkeiten und Schwierigkeiten und war offenbar der Anlass für den Mühlenvertrag von 1561, in dem „ Hannsen Schierig der Jüngere“ (auch Schirig, Scherig) verpflichtet wurde, dass er den Mühlgraben vom obersten Wehr (Abzweig vom Stadtbach) bis zum Ablass unter seiner Mühle durch "Ausfegen, Räumen und anderen Besserungen" unterhalten muss.

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Hans Scherig ließ sich 1577 ein prächtiges Wohnhaus bauen, heute Siegfriedstraße 104 (die so genannte Schindersburg, Station 12 am "Heppenheimer Mühlenrundweg"). An dem Haus weist in einer Inschrifttafel noch eine Inschrift mit einem Müllerzeichen (1965 im Buch „900 Jahre Starkenburg“ auf Seite 224 als Stundenglas angesehen, sehr wahrscheinlich aber ein stark vereinfachtes Mühleisen bzw. eine Haue) auf den Erbauer hin (Willy Lizalek, Heppenheims ältester Mühlenvertrag (1561). In: Die Starkenburg 62, 1985, Nr. 2). Es soll das Wohnhaus zu der Tugersmühle gewesen sein, was aber bezüglich der Entfernung zwischen den Gebäuden bezweifelt werden kann. 

Nach R. Kunz und H. Lorenz war die Tugersmühle ursprünglich rodensteinisch, kam 1687 oder bald danach  in den Besitz des Freiherren Johann Philipp Dietrich von und zu der Hees, der ab 1687 Burggraf der Starkenburg war. In der dritten Generation der Heppenheimer Linie von der Hees wurde die Mühle 1769 an die Familie Tuger (Johannes Tuger aus Laudenbach) im Erbbestand verliehen. Johannes Tuger starb am 16. Mai 1786. Sein Sohn Johann Tuger übernahm dann die Mühle und hatte sie bis zur Übergabe an seinen Sohn  Friedrich Tuger.

 

Weitere Besitzer oder Erbpächter der Mühle waren:

 

- 1786 - 1823 Johann Tuger.

- 1823 - 1852 Friedrich Tuger.

- 1853 - 1890 Georg Tuger I.

- 1890 - 1912 Georg Tuger II..

 

Aus dem Heppenheimer Anzeigeblatt wissen wir, dass hier vor 1843 neben der Mahlmühle auch eine Ölmühle arbeitete, die damals verkauft wurde. 1860 betrieb Georg Tuger ergänzend auch eine Hanfreibe.  Zu der Mühle gehörte auch eine größere Landwirtschaft und eine Bäckerei.

1889/90 erfolgte die Modernisierung der Mühle. 1889 ließ Georg Tuger I. große Umbauarbeiten vornehmen, u.a. bestellte er 3.210 kg eiserne Säulen und 15.500 kg Eisenträger. Das Mühlengebäude wurde auf 5 1/2 Stock erhöht und ein Maschinenhaus angebaut. Die alten Mahlgänge und das hölzerne Wasserrad mit einem eichenen Wellbaum wurden verkauft und durch moderne Walzenstühle und ein neues Wasserrad mit einer schmiedeeisernen Welle ersetzt. 1889 beantragte Georg Tuger I. auch eine Dampfkesselanlage. Ob diese genehmigt wurde, ist nicht bekannt. Auf Grund  seiner Position als Stadtrat und des Baus eines Maschinenhauses ist eine Genehmigung aber anzunehmen. Sein Sohn Georg Tuger II. erhielt 1904 die Genehmigung für einen feststehenden Dampfkessel.

 

Insgesamt brachten Georg Tuger I. und sein Sohn die Mühle auf den neuesten Stand der Technik. Anläßlich einer Besichtigung durch die Wormser Müllerschule heißt es im Juli 1890:

„um das neuerrichtete, mit allen technischen Vortheilen der Neuzeit ausgestattete Mühlenetablissement des Herrn G. Tuger zu besichtigen. Die Mustereinrichtung der Mühle (Herr Tuger ist Inhaber eines technischen Büreaus für Mühlenbau) fand hohe Anerkennung.“

Zum 1. Oktober 1890 übergab Georg Tuger I. sein "Müllerei- & Bäckerei-Anwesen" an seinen Sohn Georg Tuger II.. Im Firmenregister des Amtsgerichts Lorsch erfolgte der Eintrag, dass „Georg Tuger II. seit dem 1. Oktober 1890 zu Heppenheim eine Kunstmüllerei und Bäckerei unter der Firma G. Tuger betreibt.“ Die Mühle war eine Kunstmühle geworden und Georg Tuger II. nannte sich jetzt stolz Kunstmühlenbesitzer.

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Bild 1:  Wohnhaus der TUGER auf der Tugersmühle (Quelle: Archiv Dr. H. Müller, 2012)

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Ein Bild von 1894 zeigt die ganze Mannschaft der Mühle. Insgesamt sind auf dem Bild 27 Personen, was die Bedeutung der Mühle als Unternehmen und Arbeitgeber unterstreicht.  Rechts  ist das 1889/90 aufgestockte  Mühlengebäude zu erkennen:

 

 

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Bild 2: Belegschaft der Kunstmühle des Georg Tuger II. 1894 (Quelle: Pfarrarchiv Heppenheim)
Die Tugersmühle ist rechts im Bild dargestellt.


 

 

Um die Jahrhundertwende unterhielt der rührige Müller Georg Tuger II. eine Mustermühle für verschiedene Müllereimaschinen der Firma Ganz & Cie, Budapest-Ratibor-Leobersdorf. 1895 wurde das dreistöckige Wohnhaus (siehe Bild 1) des Georg Tuger II. errichtet, zu dem ein fünfeinhalbstöckiger Mühlenbau mit zahlreichen Nebengebäuden gehörte.

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Bild 3:Tuger Firmenlogo 1912 (Quelle: Archiv Dieter Schnabel)

 

 

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Um 1900 verwandelte Georg Tuger II. mit Einwilligung des Vaters die Mühle in eine „Nudel- und Maccaroni-Fabrik“, von den Heppenheimern kurz „die Nudel“ genannt. Wahrscheinlich arbeitete das Mühlwerk auch in der späteren Nudel- und Maccaroni-Fabrik Tuger, in der etwa 20 Mitarbeiter beschäftigt waren.

 

Kurz nach dem Tode von Georg Tuger II. „wehte vielleicht ein neuer Wind“ in der G. m .b. H., denn am 22. Dezember 1912 erscheint erstmals eine Werbung mit den Nudel-Produkten im Verordnungs- und Anzeigeblatt der Stadt und des Kreises Heppenheim:

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Bild 4: Werbung der Firma Tuger 1912 (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

 

 

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Werbung wurde auch mit Reklamemarken und Postkarten betrieben. Nachfolgend ist ein Beispiel präsentiert. Eine ausführliche Zusammenstellung verschiedener Serien von Reklamemarken der Firma Tuger und einer Werbepostkarte finden Sie auf folgender Internetseite als Teil der Kunstsammlung von Herrn Jürgen Maurer:

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http://www.kunstsammlungmaurer.de/Heppenheimer-Kunst/Sammlungen-Marken-und-Bilder

 

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Bild 5: Werbung der Maccaroni u. Eiernudelfabrik um 1913 (Quelle: Kunstsammlung Jürgen Maurer)

 

 

 

Firmenbezeichnung 1910 in einem Lehr-Vertrag:X

„Erste Deutsch-Italienische Eierteigwaren- & Maccaronifabrik, Kunstmühle, Heppenheim a. d. Bergstr.

(Quelle: Die Starkenburg, Nr. 4/1995).

 

 

Bild 6: Tugersmühle noch mit Schornstein (Quelle: Archiv Dieter Schnabel)

 

 

In den wirtschaftlich schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg kam es nach und nach zum Niedergang der Fabrik. Zur Stilllegung  der Mühle fehlen noch Informationen. Vielleicht begann diese in Teilen bereits im Jahr 1916, denn im April dieses Jahres wurde das Wasserrad  verkauft.

 
Aus der dargestellten Anzeige zum  Verkauf des  Wasserrades erfahren wir, dass dieses einen Durchmesser von 6 m und eine Breite von 1,20 m hatte. Dies unterstreicht, dass die Tugersmühle - die auch eine Dampfmaschine hatte - eine recht große Mühle war:

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Bild 7: Verkauf des Wasserrades im April 1916 (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

 

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Am 24. Dezember 1916 kam es zu einem großen Brandunglück in der Tugersmühle. Die Firma G. Tuger dankte in einer Anzeige für die „tatkräftige Mithilfe seitens der Einwohnerschaft Heppenheims“, „der hochwohllöblichen Behörde für ihre liebenswürdige Unterstützung“, „der hiesigen Feuerwehr, durch deren rasches Eingreifen ein weiteres Ausbreiten des Brandes verhindert wurde“ und „der Bensheimer Feuerwehr für ihre Mithilfe“.

 

Bei dem Brand erlitt der Unteroffizier Wilhelm Weis, wegen Krankheit zu dieser Zeit in Heppenheim, als freiwilliger, nicht zur Feuerwehr gehörender Helfer bei den Rettungsarbeiten selbst tödliche Verletzungen durch einen einstürzenden Giebel und starb am folgenden Tag. 

 

Der Brand war sicher ein harter Schlag für die Teigwarenfabrik. Möglicherweise führte dieses Ereignis zum vorzeitigen Ende der Müllerei in der Tugersmühle.  

 

Die „Firma Georg Tuger, G. m. b. H., Eierteigwaren- und Maccaronifabrik“ meldete am 19. Februar 1923 die Liquidation. Bereits im April 1923 wurde sie im Handelsregister als „Georg Tuger, Aktiengesellschaft Eierteigwaren- und Maccaronifabrik“ eingetragen. Das endgültige Aus kam schon 1927, als die AG in Konkurs ging und aufgelöst wurde.

Ab Sommer 1933 dienten ihre Räume dem Arbeitsdienst (RAD)  als Unterkunft und seit 1950 der Fabrikation von Ultraschallgeräten unter Dr. Wilhelm Lehfeldt. 1972 erfolgte die Umwandlung zur KLN-Ultraschall-GmbH. Heute gehört das Anwesen Herrn Heinz Thews und wird nach erfolgtem Umbau der Fabrikhalle für Wohnzwecke genutzt. X

 

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Kirchmühle (Tuger'sche Mühle in Unter-Hambach)

(Heppenheimer Mühle Nr. 6 nach Heinz Reitz) - Hambacher Tal 124.

 

1549 wird die Mühle erstmals genannt. Es ist zu vermuten, dass an diesem Standort bereits 1436 eine Mühle bestand (Gutjahr GKB 1980, S. 275). In den Jahren 1641 und 1668 (im Jurisdiktionalbuch) wird die Mühle als ein Erblehen der Herren von Rodenstein bezeichnet.

 

Noch 1630 ist Hans Jacob Beer (Bär) familienkundlich für die Mühle belegt. Er heiratet 1641 die Witwe Margareta N.N.

 

Der Sohn Johann Peter Beer (* Hambach 1647, † Hambach 1690) heiratete 1666 Agnes Flath, die Tochter des Müllers Matthias Flath von der Mühle Schmitt (Reitz Nr. 5).

 

Johann Jakob Beer (* Hambach 1685, † Hambach 1754) übernimmt vermutlich um 1710 die Mühle. Beim Dorfrundgang 1726 heißt es: „Bey Jacob bährs mühl an der kirch steht ein weißer Stein.“

 

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Weitere Müller auf der Kirchmühle:

 

- 1736 verpachtet Jacob Beer die Mühle auf drei Jahre an Matthes Pfister.

 

- 1785 wird Kaspar Lies (* Hambach 1731, † Hambach 1799) als Müller dieser  Mühle genannt.

 

- 1811 besaß der Müller Philipp Stumpf die Mühle, die 1817 von seiner Witwe versteigert wurde. Zu dem Bestand gehörten 1 zweistöckige Mühle mit Mahl-und Schälgang, 1 Scheuer, 1 Nebenbau sowie 1 Nebenbau mit Schweineställen und Spreukammer.

 

- Der nachfolgende Müller, Adam Mitsch, hatte für diese Mühle im Jahre 1828 1 Malter, 1 Simmer, 1 Kumpf, 1 Mäßchen Korn jährliche Mühlpacht an das Großherzogtum Hessen zu liefern (GKB Band 18, Seite 290, Renovation der Mühlpacht).

 

- Nach dem Brandkataster ist 1844 und 1853 Johann Tuger Müller in der Mühle. Unklar ist, wann er auf die Mühle kam.

Das Mühlrad wurde bereits 1866 als baufällig beschrieben, woraus man schließen darf, dass die alte Mühle nicht mehr in Betrieb war. 1866 berichtet Bürgermeister Schweinsberger, „dass sich der hölzerne Mühlkandel dermaßen in so schadhaftem Zustand befindet, dass das Wasser fast täglich durch Verstopfung so geschwellt wird, dass es auf die Straße läuft“. 1870 wird entschieden, dass die Gemeinde die Kosten für die Reparatur des schadhaften Wehrs tragen muss.

 

1872 lässt Johann Tuger die Mühle versteigern, wie eine Anzeige am 15. Juni 1872 im Verordnungs- und Anzeigeblatt  Nr. 48 zeigt. In der Anzeige wird auch darauf hingewiesen, dass für die Mühle als Freiherrliche Mühle keine Wasserpacht zu zahlen ist und dass der oberschlächtige Wasserfall 21 Fuß beträgt. Aus dem Verordnungs.- und Anzeigeblatt Nr. 73 vom 10. September 1875 erfahren wir, dass die Gemeinde Hambach die Mühle erworben hat und die Mühleneinrichtung jetzt versteigern will.

 

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Bild 8: Versteigerung des Mühleninventars 1875 (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

 

 

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Die Gemeinde richtete in der 1875 gekauften Mühle 1876 einen Schulsaal mit Lehrerwohnung ein. Von 1954 bis 1971 wurde das Haus als Hambacher Bürgermeisteramt genutzt. Danach wurde hier die Verwaltungsstelle Hambach untergebracht.

 

2015 erfolgte der Umbau zu einem schmucken Dorfgemeinschaftshaus.

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Bild 9: Ehemalige Kirchmühle 2013  (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

 
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Das Mühlrad für die Mühle war an der Stelle, an der heute das Kriegerdenkmal für den Krieg 1870/71 steht. Der etwa 200 m lange Mühlgraben zweigte unterhalb der Erbisgasse "ann de Linne" (zwei Linden) ab und verlief in Höhe des Ehrenmals und des Pfarrgartens.

 

Johann Tuger I., * 1824, † 1883, Sohn von Philipp Tuger und dessen Ehefrau Theresia Ambos, war Müller auf der Kirchmühle.

 

 

 

 

 

 

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Tugersmühle in Unter-Hambach

 

 

(Heppenheimer Mühle Nr. 15 nach Heinz Reitz) - Hambacher Tal 203.

 

 

Valentin Keil, dessen Mutter eine Tochter des Müllers Jodokus Wilhelm Meyerhöffer war, reichte 1813 ein Gesuch zur Errichtung einer Mühle in Hambach ein. Schultheiß Neher bestätigt ihm am 20. Juli 1813, dass er einen Bauplatz besitzt, der sich gut für eine Mühle eignet. Er bemerkt jedoch, dass dem Sebastian Guthier und Adam Dülgers Witwe das Wasser für die Wiesenbewässerung entzogen wird. 1815 war die Mühle fertiggestellt. Am 20. August 1815 nehmen Valentin Keil, Gemeinsmann in Hambach, und seine Ehefrau Elisabeth geb. Röhrig 500 Gulden Kapital auf, um ihre Mühle ausbauen zu können.  Von ihm erwarb Peter Hofmann die Mühle. Er hatte  jährlich 1 Malter, 1 Simmer. 1 Kumpf, 1 Mäßchen Korn an das Großherzogtum Hessen (GKB Band 18, Seite 290, Renovation der Mühlpacht 1828) zu liefern.

 

Das Brandkataster von 1844 und 1853 nennt Philipp Tuger als Müller. Wann er genau auf die Mühle kam, ist unklar.

Am 22. August 1844 kam es unter dem Besitzer Philipp Tuger zur Festsetzung der Wehrhöhe. In dem Protokoll heißt es, dass der nächste oberhalb liegende Müller, Johann Schuster, etwa eine halbe Stunde von hier entfernt ist. Der untere Müller ist Franz Mitsch. Philipp Tuger erschien am 17. Juli 1852 auf der Bürgermeisterei und beschwerte sich, dass die Wiesenbesitzer ihm das Wasser entziehen und dadurch seinen Geschäftsbetrieb beeinflussen. Philipp Tuger ist auch 1855 der Müller. Ihm folgt 1856 sein Sohn Franz Tuger. Er wird 1860 im Protokoll der Eichpfahlsetzung für die oberhalb liegende Mühle genannt. Die Ehefrau des Franz Tuger, Margareta geb. Schäfer, beschwert sich am 13. Februar 1870, dass der unterhalb wohnende Müller Franz Mitsch sein Wehr erhöht habe. Dadurch habe das Rad Schwellwasser. 

1900 war Johann Franz Tuger (* 1867, † 1938) der Mühlenbesitzer. Er wird auch im Adressbuch von 1905 genannt. Er war der letzte Inhaber der Mühle und blieb unverheiratet.

 

Die Mühle war eine Mahlmühle und hatte ein sehr großes Wasserrad mit etwa 10 m Durchmesser. Mit dem Wasserrad wurde auch eine Kreissäge angetrieben. 1914 wurde der Betrieb eingestellt. Nach dem Tode des Franz Tuger 1938 stand das Anwesen längere Zeit still.

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Eine Zeichnung von Karl Winkel von 1924 zeigt die Tugersmühle mit ihrem außergewöhnlich großen Wasserrad. Dieses hatte einen Durchmesser von etwa 10 m und war möglicherweise das größte Wasserrad im Odenwald.

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Bild 10: Tugersmühle 1924  (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

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Lehrer Carl Wölfelschneider aus Bensheim, dessen Schwiegermutter eine Schwester von Franz Tuger war, erbte die Mühle und baute das Gebäude nach 1945 um und gab ihm das heutige Aussehen. Durch moderne Anbauten und den neuen Torbogen zur Straße hin hat sich der Charakter des Gehöftes erheblich verändert und erinnert – abgesehen von der Lage - kaum noch an eine Mühle.

Heute (2016)  ist das Anwesen im Besitz von Herbert Wölfelschneider und die ehemalige Mühle dient Wohnzwecken.

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Bild 11: Ehemalige Tugersmühle im Januar 2012 (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)
Das Gebäude rechts ist die ehemalige Mühle.

 

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Franz Tuger I., * 1825, † 1895, Sohn von Philipp Tuger und dessen Ehefrau Theresia Ambos, war Müller auf der Tugersmühle und sein Bruder Johann Tuger I. war Müller auf der Kirchmühle.

 

 

 

 

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Müllermeister und Stadtrat Georg Tuger I.

 

Georg Tuger I. war der wohlhabendste und mächtigste Müller in Heppenheim im 19. Jahrhundert. Neben der Mühle betrieb er auch die Landwirtschaft, vermutlich auch eine Bäckerei und/oder Mehlhandel. 1867 und später wird er in der Liste der "Preise der Bäckerwaaren" als "Bäcker und Brodhändler" genannt.

1864 ist er auf Platz 57 der 61 Höchstbesteuerten des Kreises Heppenheim; 1867 ist er auf Platz 53 der 71 Höchstbesteuerten des Kreises Heppenheim; 1870 auf Platz 52 der 70 Höchstbesteuerten und 1886 auf Platz 23 der 50 Höchstbesteuerten des Kreises Heppenheim.

Georg Tuger wurde am 11.2.1833 in Heppenheim als Sohn von Friedrich Tuger und dessen Ehefrau Juliana geb. Becker geboren. Er starb in Heppenheim am 11.12.1907. Er heiratete in erster Ehe am 13.9.1853 Anna Maria Neff. Seine Frau starb bereits am 3.9.1855. Der Witwer heiratete am 31.3.1856 in Weiskirchen bei Offenbach Anna Maria Kaiser.

 

Im Dezember 1893 wird er als Rentner genannt. Im September 1896 wird im Verordnungs- und Anzeigeblatt darüber informiert, dass Georg Tuger I. die Landwirtschaft aufgibt.

Kinder:

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1.) Georg Tuger II., * 1854, † 1912

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2.) Peter Wilhelm Friedrich Tuger, * 1858, † 1861

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1905 wird Georg Tuger I. im Adressbuch von Heppenheim als Privatier, wohnhaft in der Werlestraße 21, genannt. Dort ließ er 1884/85 ein stattliches Wohnhaus erbauen (heute Eckhaus B3 / Werlestraße, Werlestraße 19).
Um 1934 wohnte der Tierarzt Hugo Pfefferkorn in dem Haus.

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Bild 12: Ehemaliges Wohnhaus des Georg Tuger I. (Quelle: Archiv Dr. H. Müller, 2014)

 

 

 

 

Georg Tuger I. hatte viele Ämter und ein hohes Ansehen:

1875 wird Georg Tuger zum Stadtrat gewählt. 1885 wird Georg Tuger Vertrauensmann der Müllerei-Berufsgenossenschaft. 1888 wird er Mitglied des Wiesenvorstandes.1889 ist er Geschworener. 1893 ist er Mitglied der Musterungskommission.

In seiner Todesanzeige wird er als Großherzoglicher Ortsgerichtsmann und Stadtrat geehrt.

 

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Kunstmühlenbesitzer Georg Tuger II.

 

Georg Tuger II., der Sohn von Georg Tuger I. wurde 1854 geboren und starb 1912. 

Wie sein Vater hatte er viele Ämter und ein hohes Ansehen.

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Kinder:

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1.) Joseph Gottfried Tuger, * 1891, † 1907

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2.) Ludwig Tuger, * 1893, † 1931 in USA als Priester

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3.) Emma Maria Epple, geb. Tuger, * 1893, † 1964 in Stuttgart

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Mit dem Aussterben der Familie ging auch die Erinnerung der Heppenheimer immer mehr zurück.  X

 

 

 

 

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Bild 13: Grabmal der Familie Tuger (Quelle: Dokumentation HStA im Internet)
(nicht mehr vorhanden, Verbleib unbekannt)

 

 

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Quellen:

1.) Heinz Reitz: Mühlen wiederentdeckt. Heppenheim 1997.

2.) Wilhelm Metzendorf: Heppenheimer Lexikon. Heppenheim 1986.

3.) Willy Lizalek: Heppenheims ältester Mühlenvertrag (1561). Die Starkenburg. 1985.

4.) Rudolf Kunz und Hans Lorenz: Die Rodensteiner Mühle in Heppenheim. Die Starkenburg, Nr. 4/1995, S. 79/80

5.) Verordnungs- und Anzeigeblätter der Stadt und des Kreises Heppenheim

6.) Heppenheimer Sippenbücher

7.) Kunstsammlung Maurer

8.) Kulturdenkmäler in Hessen – Bergstraße I, Wiesbaden 2004

9.) Familien- und Heimatforschung von Dr. Hermann Müller

 

 

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 Ergänzende Informationen sind sehr erwünscht!

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Adresse, Impressum, Copyright usw. gelten entsprechend der übergeordneten Haupt-Homepage:

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www.mueller-heppenheim.de

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ENDE

 

Seite zuletzt bearbeitet von Dr. Hermann Müller am 28. Oktober  2016