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AUF DEN SPUREN VON 800 JAHREN MÜHLENGESCHICHTE

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Dr. Hermann Müller

 

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Stand  August  2017, wird bei Bedarf ergänzt

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In Heppenheim mit seinen Stadtteilen klapperten einst Wassermühlen an über 50 Mühlenstandorten und weit mehr als 750 namentlich bekannte Müller gingen im Laufe der Zeit auf diesen Mühlen ihrer anstrengenden Arbeit nach. Diese hohe Konzentration von Mühlen an relativ kleinen Bächen ist recht außergewöhnlich. Zu den Mühlen gehörten die Mühlenbesitzer, die Müller mit ihren Familien, Knechte und Mägde. Mühlärzte (Mühlenbauer) waren für Bau und Unterhaltung im Einsatz. Die Mühlen waren damit wichtige Arbeitgeber und hatten eine erhebliche wirtschaftliche und soziale Bedeutung. Müller-Familien entstanden, die über viele Generationen eine oder mehrere Mühlen betrieben.

 

Die Mühlen – vorrangig Mahlmühlen (Getreidemühlen) und sehr häufig als Mehrzweckmühlen mit zusätzlichen Ölmühlen und Schneidmühlen betrieben - sind längst stillgelegt, abgerissen oder verändert erhalten. Viele Spuren, oft versteckt, erinnern noch heute an die 800 Jahre dauernde Mühlenzeit.

 

Ursprünglich waren die Mühlen im Eigentum des Adels und der Kirche. Das Wappen der Freiherren von der Hees (linkes Wappen in Bild 5) mit zwei Mühleisen erinnert an die Zeit, in der diese Adelsfamilie in Heppenheim zwei Mühlen besaß. Später, teils erst im 19. Jahrhundert, kamen die Mühlen in privaten Besitz.

 

Der Antrieb der Heppenheimer Mühlen erfolgte durch Wasserkraft. Das Wasser aus den örtlichen Bächen wurde den Mühlen durch Mühlgräben und Mühlkanäle zugeleitet. Der bedeutendste Mühlgraben ist der noch teilweise erhaltene Mühlgraben am Fuß des Schlossbergs. Er entstand schon vor 1480, war mit etwa 670 m recht lang und lieferte das Wasser für drei Mühlen. Einer der Müller auf der mittleren Mühle war Herman Muller, dessen Erben 1480 genannt wurden. Ein weiterer Müller am Mühlgraben, Hans Scherig, erbaute sich 1577 ein schönes Wohnhaus, das heute als  „Schindersburg“ an unserem Rundweg liegt.

 

Die bedeutendste Mühle mit dem reichsten Müller war im späten 19. Jahrhundert die am Stadtbach liegende Tugersmühle, benannt nach den Besitzern der Familie Tuger. Im harten Wettbewerb wurde sie 1889 zur „Kunstmühle“ mit vermutlich zusätzlichem Dampfmaschinenantrieb modernisiert und umgebaut und 1899 zur Teigwarenfabrik erweitert.

 

Auch mindestens 11 Ölmühlen, 13 Schneidmühlen und mehrere Lohmühlen und sogar eine Pulvermühle waren früher in Heppenheim zu finden.

 

Zur Erinnerung an 800 Jahre Mühlengeschichte und zum Erhalt der Relikte aus der Mühlenzeit wurde der "Heppenheimer Mühlenrundweg" von der Stadt Heppenheim zusammen mit dem Verein Heppenheimer  Altstadtfreunde e. V. und dem Heppenheimer Geschichtsverein e. V. geschaffen. Am 1. Juni 2014 fand die erste öffentliche Führung statt. Die Beschilderung des Rundweges sowie die weitere Ausgestaltung sind in Arbeit. Begleitet werden die Arbeiten durch Forschungen und Dokumentationen zur Mühlengeschichte.  Am 12. Juni 2016 wurde der Mühlenrundweg bis an den Ortsrand von Kirschhausen erweitert  und bildet jetzt eine komplette Acht,  die ganz oder teilweise  begangen werden kann.

 

Der Mühlenrundweg durch die Heppenheimer Altstadt, die Obere Vorstadt und ins Kirschhäuser Tal führt zu 11 Standorten ehemaliger Mühlen, zu stolzen Wohnhäusern einstiger Müller, zu einem teilweise wieder freigelegten Mühlgraben, Resten weiterer Mühlgräben und Mühlenwehre und zu weiteren Zeugnissen der großen Heppenheimer Mühlengeschichte. Die Tour kann gut mit verschiedenen Stadtführungen, wie Altstadtführung, Burgführung oder Laternenführung kombiniert werden. Die Gesamtstrecke beträgt etwa 6,5  km und ist unterteilt in eine "Westschleife" und eine "Ostschleife".

 

Der „Heppenheimer Mühlenrundweg“ soll an die Mühlen und auch an die Müller erinnern, die über viele Jahrhunderte eine bedeutende Rolle in Heppenheim gespielt haben.

 

Zur Information über den „Heppenheimer Mühlenrundweg“ sind bei der Tourismus-Information der Stadt ein Flyer und eine Kurzbeschreibung der Stationen erhältlich. Diese Informationen sind auch über die Homepage der Stadt abrufbar:

 

 

http://heppenheim.de/heppenheim-erleben/sehenswuerdigkeiten/muehlenrundweg/?id=3022&type=98X

 

Der Mühlenrundweg ist so angelegt, dass er kürzere und längere Routen für die Begehung ermöglicht. Der Weg gleicht einer Acht mit der "Westschleife" und der "Ostschleife". Die Tugersmühle am Stadtbach verbindet die beiden Schleifen. 

Alle Mühlen am Mühlenrundweg wurden aus dem Stadtbach mit Wasser versorgt. Da der Stadtbach in der Vorstadt schon sehr lange in einem Kanal unter der Siegfriedstraße fließt, ist er nur auf einem kleinen Stück an der Tugersmühle (Station 11)  und ab der Wendtmühle (Station 8)  talaufwärts zu sehen.

 

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Skizze des Heppenheimer Mühlenrundweges

 

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"Westschleife"

Die "Westschleife" des Mühlenrundweges führt durch die Altstadt und einen Teil der Oberen Vorstadt bis hin zur Tugersmühle und enthält die Stationen 1 bis 6 und 11 bis 15 (siehe Flyer). Ausgangspunkt und Endpunkt ist Station 1 (Stadtmühle). Die Gesamtstrecke beträgt etwa 2 km.  Für eine Führung sind etwa 2 Stunden einzuplanen.

 

 

"Westschleife" mit Ausflug bis zur Schneidmühle

Ergänzend zur "Westschleife" ist bei dieser Route noch ein Ausflug zu weiteren Mühlen bis zur Schneidmühle enthalten. Die Route umfasst alle Stationen von 1 bis 15 (gemäß Flyer). Ausgangspunkt und Endpunkt ist Station 1 (Stadtmühle). Die Gesamtstrecke beträgt etwa 4 km und für eine Führung sind etwa 2 1/2 Stunden einzuplanen.

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 "Ostschleife"

Die "Ostschleife" des Mühlenrundweges führt ab der Tugersmühle durch die Obere Vorstadt und durch das Kirschhäuser Tal bis zum Ortseingang von Kirschhausen und enthält die Stationen 7 bis 11 (in der Reihenfolge 11, 7, 8, 9, 10)  und 16 bis 21. Der Rückweg geht durch den Wald -  immer wieder die Mühlen in Sichtweite und von einer anderen Richtung zeigend - und folgt einem Wanderweg des Odenwaldklubs. Er führt über den Schleifweg wieder zur Tugersmühle. Der schöne Weg durch den Wald ist mit weißen Wasserrädern markiert. 9 Mühlen liegen an der "Ostschleife". Die Gesamtstrecke beträgt etwa 4,5 km  und für eine Führung sind etwa 2 1/2 Stunden einzuplanen.

Nachfolgend werden die 21 Stationen des Mühlenrundweges ausführlicher beschrieben, wobei auch den Müllern und Mühlenbesitzern mehr Raum gegeben wird:

 

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Station 1:   Stadtmühle

(Kleiner Markt)

 

Die Stadtmühle war eine der bedeutendsten Mühlen in Heppenheim. Sie wurde 1771 von dem Müllerehepaar Hans und Catharina Anna Werle als Mahlmühle aus Abbruchsteinen der Starkenburg in einem ehemaligen Vorwerk der Stadtbefestigung errichtet. Daher wurde sie „Stadtmühle“ genannt. Nach mehreren Generationen im Besitz der Familie Werle kam die Mühle zwischen 1843 und 1847 in den Besitz der Heppenheimer Müller-Familie Eberhard. Weitere Mühlenbesitzer mit dem Jahr der ersten Nennung:

 

Die Mühlenbesitzer hatten die Mühle immer wieder verpachtet. Letzter Pächter war Ernst Baz.

 

Die Stadtmühle war ein großer, die Nachbarhäuser deutlich überragender Fachwerkbau. 1902 erfolgten Umbauten und Verbesserungen. 1957 wurde das Wasserrad und das hölzerne Triebwerk durch eine Turbine mit 5,7 kW ersetzt und dabei auch die Fallhöhe um 0,40 m auf 4,80 m erhöht. Keine 10 Jahre später wurde die Müllerei um 1964 eingestellt. Das Gebäude wurde im August/September 1969 - nach fast 200 Jahren - abgebrochen und es entstand an dieser Stelle ein freier Platz, der neue Kleine Markt. 

Die Wasserzufuhr für das Wasserrad und später für die Turbine erfolgte über einen vom Stadtbach abzweigenden Mühlkandel (siehe Abb. 1b, links vom Stadtbach). Der Verlauf des heute unter dem Platz (Kleiner Markt) in einem Kanal fließenden Stadtbachs ist im Pflaster markiert.

Die Mühle war eine Mahlmühle (Getreidemühle) und wurde als Handelsmühle betrieben, d.h. der Müller kaufte das Getreide, mahlte und veredelte es und verkaufte die fertigen Produkte. 

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Abb. 1a: Stadtmühle (Nr. 26) mit Verlauf des Mühlkandels und der Stadtbach im Stadtplan von 1899 (Quelle: Archiv Geschichtsverein)

 

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Abb. 1b: Mühlkandel (links) und Stadtbach (Mitte), im Hintergrund links die Stadtmühle um 1953 (Quelle: Archiv Dieter  Schnabel)

 

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Abb. 1c: Ansicht des Mühlengebäudes (rechts im Bild) von Westen im Jahr 1938 (Quelle: Archiv Dieter Schnabel)

 

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Station 2:   Portal der Stadtmühle  

(Amtsgasse)

 

Das Portal der Stadtmühle wurde 1970 nach dem 1969 erfolgten Abbruch der Mühle in die Außenwand des Kurmainzer Amtshofes versetzt. Der Türsturz zeigt „HW – CAW – 1771“: Hans Werle und Catharina Anna Werle, die das Haus 1771 erbauten. 

Das Portal ist aus einem feinen, sehr guten Keupersandstein, möglicherweise aus der Region östlich von Walldürn in Franken. Dieser luxuriöse Stein unterstreicht, dass die Familie Werle als wohlhabend einzuschätzen ist. 

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Abb. 2: Portal der Stadtmühle von 1771   (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

 

 

 

 

Station 3:   Mühlsteine

(Amtsgasse, an der Südwand des Parkplatzes)

 

Mühlsteine sind das Herz einer Mahlmühle und das Kernstück eines Mahlganges. Dabei wird zwischen Boden- und Läufersteinen unterschieden. Die Mühlsteine sind in einem Mahlgang horizontal übereinander gelagert. Der obere Mühlstein (der Läuferstein) dreht sich, der untere (der Bodenstein) ist fest eingerichtet. Der Läuferstein war im Durchmesser typischerweise etwas kleiner als der Bodenstein, meist aber auch dicker und schwerer. Bis weit in das 19. Jahrhundert wurden zur Herstellung der Mühlsteine ausschließlich Natursteine verwendet. Dabei konnte es sich  z. B. um Sandstein mit einem hohen Quarzanteil, Basalt oder Porphyr handeln. Die „Mercedes“ unter den Mühlsteinen waren die aus den Steinbrüchen von La Ferté-sous-Jouarre in der Region Champagne im nordösltlichen Frankreich stammenden "Champagnersteine" aus Süßwasserquarzit  für höchste Mehlqualitäten und lange Haltbarkeit. Diese Mühlsteine kosteten das Mehrfache eines deutschen Mühlsteins.

 

An der Südwand am Parkplatz westlich des Amtshofes sind zwei verschiedene Mühlsteine aufgestellt, die aus der Stadtmühle stammen sollen. 

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Der linke Mühlstein (Abb. 3a) diente als Bodenstein (der untere, fest gelagerte Mühlstein) und ist aus einem hochwertigen Odenwälder Buntsandstein aus der Gegend bei Bad König hergestellt. In Ortsteil Zell von Bad König gab es im 19. Jahrhundert ein Buntsandstein-Abbaugebiet und einen Steinmetzbetrieb, der Mühlsteine herstellte. 

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Der rechte Mühlstein - siehe Abbildung 3b - diente als Läuferstein (der obere, sich drehende Mühlstein) und ist ein Kunststein aus kleinen runden Kieseln und kleinen eckigen Quarzstückchen. Der abgebildete Läuferstein wurde von einem dreiarmigen bzw. dreiflügeligen Mühleisen, einer Triangel, getragen und gedreht. 

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Beide Mühlsteine sind stark abgenutzt und ihr Durchmesser (Bodenstein mit 100 cm Durchmesser, Läuferstein mit 112 cm Durchmesser) lässt darauf schließen, dass sie aus verschiedenen Mahlgängen stammen.


 

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Abb. 3a und 3b: Bodenstein und Läuferstein am Parkplatz  (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

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Abb. 3c: Mahlgang mit Schaufenster im Gehäuse den Läuferstein zeigend  (Quelle: Foto von Otfried Maus aus der Holländer-Windmühle auf dem Sachsenberg bei Eckartsberga)

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Station 4:   Sage „Der weiße Mann“

(Ecke Amtsgasse/Bogengasse)

 

Müller und Mühlen kommen häufig in Märchen und Sagen vor. Es gibt sie auch in Heppenheim. Bild und Text der Laterne an der Ecke Amtsgasse/Bogengasse zeigen die Sage „Der weiße Mann“.

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Abb. 4: Laterne mit dem weißen Mann (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

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Etwas gekürzt erzählt die Sage, dass der „Weiße Mann“, der einem Müllerburschen ähnlich sah, nachts die Kleine Bach durchwanderte und dann wieder in irgendeiner Seitenstraße verschwand. Dabei liebte er es, an Mädchen und jungen Frauen – ohne ihnen etwas anzutun – so vorbeizugehen, dass er sie streifte. Dann waren sie, wo er sie berührt hatte, weiß, wie dick mit Mehl bestäubt, und es brauchte Tage, bis die Flecken verschwanden.

 

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Station 5:   Schloss-Schule mit Wappen der Familie von der Hees   

(Schulstraße)

 

Bis ins 19. Jahrhundert waren Mühlen auch in Heppenheim oft im Eigentum des Adels oder der Kirche. Stellvertretend hierfür stehen die Freiherren von der Hees, die aus dem Kreuztaler Stadtteil Junkernhees im Siegerland stammen und sich nach dem Bach Hees benennen. Die Herren von der Hees wurden schon 1372 mit einer heute nicht mehr vorhandenen Wasserburg in Junkernhees beliehen.

Ein erhaltenes, ehemaliges Schloss in Junkernhees zeigt – wie die Schloss-Schule in Heppenheim - das Wappen der von Hees.

Die Herren von der Hees besaßen im 18. Jahrhundert sowohl in Heppenheim als auch in Hambach eine Mühle. Freiherr Johann Philipp Dietrich von und zu der Hees war um 1700 Burggraf auf der Starkenburg und kurmainzischer Oberamtmann. Er heiratete vor 1687 die ebenfalls aus dem Siegerland stammende Maria Rosina von Holdinghausen. Burgholdinghausen ist wie Junkernhees ein Stadtteil von Kreuztal. Ritter Heinrich von Holdinghausen wurde schon 1275 urkundlich erwähnt.

Beachtenswert ist das schöne Allianzwappen Hees-Holdinghausen über dem Eingangsportal der Schloss-Schule, das links zwei Mühleisen zeigt.  Bei den dargestellten  Mühleisen handelt es sich um  vierarmige bzw. vierflügelige  Hauen,  Scherenhauen genannt.  Dass es Mühleisen sind, ist aus dem viel älteren Allianzwappen an Schloss Junkernhees schön zu sehen. 

Mühleisen im Wappen derer von der Hees lassen darauf schließen, dass diese Familie zuerst im Müllerhandwerk tätig war und sich in der Ständeordnung des Mittelalters emporgearbeitet hat. 

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Abb. 5: Wappen an der Schloss-Schule (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

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Mehr zu den beiden Wappen und ihren Trägern findet man auf folgender Internetseite:

 

http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/aktuell/galerien3/galerie1886.htm

Wichtig für uns ist, dass in angesehenen Wappenbüchern, sowohl im Aschaffenburger Wappenbuch als auch bei Rietstap, angegeben wird, dass es sich bei den Symbolen im Wappen der von der Hees um Mühleisen handelt. 

 

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Station 6:   Mühlgasse


Die Mühlgasse soll ihren Namen von einer Mühle am oberen Ende (Haus Großer Markt 8) haben, die aber nicht urkundlich belegt ist. Wahrscheinlicher ist, dass die Gasse vom Marktplatz auf dem Berg direkt zu einer oder mehreren Mühlen am Stadtbach unten im Tal führte, der einst in der Gasse „Kleine Bach“ floss.

Möglicherweise lag an der Einmündung der Mühlgasse (Adelshof der Boos von Waldeck) eine Mühle. Weitere Forschung und Glück beim Auffinden von Urkunden ist hier noch nötig.

 

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Abb. 6a: Verlauf der Mühlgasse zwischen Marktplatz und Kleiner Bach-Gasse (Stadtplan 1899)

 

 

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Abb. 6b: Mühlgasse vor 1928

 

 

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Nr. 7:   Drei-Mühlen-Wehr  -  Lage des Mühlwehrs und Beginn des Mühlgrabens

(vor dem Anwesen Siegfriedstraße 145)

 

Zu allen Heppenheimer Wassermühlen gehörten Mühlwehre, um den Wasserzufluss zu den Mühlen zu regeln. Ein besonders wichtiges Mühlwehr war am Stadtbach an Station 7 des Mühlenrundweges.

Der Stadtbach fließt heute verdolt unter der Siegfriedstraße. Das war früher anders, wie man anhand des Fotos (Abb. 7b) aus der Zeit um 1958 sehen kann. In Höhe des Hauses Siegfriedstraße145 regelte über viele Jahrhunderte ein Mühlwehr (Stauwehr, Streichwehr) den Wasserfluss in den vom Stadtbach abzweigenden Mühlgraben (in der Zeitung, z. B. 1908, auch Mühlkanal genannt). Dieser Mühlgraben, der etwa 670 m lang war und am Fuß des Schlossbergs entlangführte, versorgte gleich drei Mühlen - die Tugersmühle, die Schäfersmühle und die Weihersmühle - mit Wasser zum Antrieb der Wasserräder. Durch den Brand und die Zerstörung der Schäfersmühle, der letzten in Betrieb befindlichen Mühle am Mühlgraben, verlor im Jahr 1949 der Mühlgraben seine Aufgabe. Die Stilllegung des Mühlgrabens erfolgte daraufhin im Jahr 1950. Damit verlor auch das Wehr seine Bedeutung und wurde bei der Verdolung des Stadtbachs beseitigt.

Von dem Wehr ist heute nichts mehr zu sehen. Im angrenzenden Gelände - der "Hutzelschweizer Anlage", vor Jahren ein Spielplatz - ist der Verlauf des Mühlgrabens noch bedingt erkennbar. Die Mauer zur Straße hin wurde im August/September 1969 errichtet.

Reste von weiteren Mühlwehren sind auf dem Mühlenrundweg oberhalb der Wendtmühle und oberhalb der Schneidmühle noch vorhanden und erinnern an Heppenheims lange Mühlenzeit.

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Abb. 7a: Abzweigung des Mühlgrabens vom Stadtbach mit Wehr (Stadtplan von 1899, Archiv des Geschichtsvereins)

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Abb. 7b: Mühlwehr um 1958 (Quelle: Archiv Dieter Schnabel)

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Abb. 7c: Bau der Mauer an der "Hutzelschweizer Anlage" 1969 (Quelle: Südhessische Post vom 4. September 1969)

 

 

 

 

Nr. 8:   Wendtmühle (auch Meinbergsmühle)   

(Siegfriedstraße 151)

 

Die Mühle hat ihren heutigen Namen von Max Wendt, der 1920 das Anwesen kaufte und im Gebäude eine Mühlenbauanstalt und Maschinenfabrik einrichtete. An diesem Standort stand bereits 1750 eine größere Mühle, nach Heinz Reitz eine Schneidmühle. Eine Mahlmühle (Getreidemühle) dürfte da schon bestanden haben oder bald hinzugekommen sein. 1768 lieferte Peter Höchster von seiner Mühle in der oberen Vorstadt 3 Malter Korn ab. 1829 war zusätzlich eine Hanfreibe in Betrieb. 1852 hatte die Mahlmühle zwei Mahlgänge.

Bekannte Besitzer mit Jahr der ersten Nennung:XX 

 

- 1811 Georg Eberhard der Ältere,

- 1829 Adam Eberhard der Jüngere,

- 1843 Adam Eberhard II.,

- 1844 Johann Christ.

 

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1852 wurde die Mühle versteigert. In der Zeit von etwa 1852 bis zu seinem Tode 1898 war Georg Meinberg II. Besitzer der Mühle, daher wurde sie damals Meinbergsmühle genannt. Die Mahlmühle wurde 1899 stillgelegt. Mehrere Besitzerwechsel folgten.


1909 errichtete der Engländer Paul Victor Hutchinson in dem früheren Mühlengebäude einen Betrieb mit einer Queuelederdreherei und nutzte die Wasserkraft weiter. Stolz bezeichnete sich die Firma für Billard-Queueleder um 1912 als "größte Spezial-Fabrik der Welt". Der 1. Weltkrieg brachte den Niedergang. 1919 erfolgte die Liquidation der "Deutsch-Amerikanischen Billard-Queueleder-Manufaktur". 1920 übernahm Max Wendt (aus Worms) das Anwesen und machte aus der einstigen Mühle einen Betrieb für Mühlenbau und eine Maschinenfabrik (bis 1987). Dieser Betrieb stattete viele Mühlen, auch in Heppenheim, mit Walzenstühlen und anderen Maschinen aus.

 

Der Industriebetrieb war zuletzt mit einer Drees-Turbine  mit 6,6 kW Leistung ausgestattet. Die Fallhöhe betrug 6,50 m.

Die Nutzung der Wasserkraft wurde 1968 aufgegeben.  

 

Das einstige Mühlengebäude, Reste des Wehrs und Mühlgrabens sind noch erhalten. Der Verlauf des zugeschütteten Mühlgrabens ist noch erkennbar.

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Abb. 8: Billard-Queueleder-Manufaktur in der ehemaligen Wendtmühle um 1912 (Quelle: Archiv Dieter Schnabel)

 

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Abb. 8a: Fabrikgebäude der ehemaligen Wendtmühle 2015 (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

 

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Nr. 9: Schlappenmühle

(Siegfriedstraße 167)

Abweichend von den meisten anderen Mühlen, deren Namen auf die früheren Besitzer zurückgeht, hat die Schlappenmühle ihren Namen von der Herstellung von Schuhen mit Holzsohlen, in der Bevölkerung „Schlappen“ genannt. Der im Volksmund gebräuchliche Namen bürgerte sich ein und ist schon in den Zeitungen um 1900 zu finden.

 

Die Mühle wurde 1825 – d. h. recht spät - durch Georg Eberhard den Älteren als Getreidemühle erbaut

 

1830 erfolgte der Verkauf an Sebastian Michel. Damals wurde sie Michels-Mühle genannt. 1835 folgte Nikolaus Kumpf I. und 1857 Johannes Kumpf II. als Besitzer.

 

1845 war das Anwesen recht groß und es bestand aus einem zweistöckigen Haus mit Mahlmühle, Scheuer, Ställen und Backofen. Die Mühle ist am 25.3.1872 „total abgebrannt". Ab 1874 neu, aber nur noch einstöckig wieder aufgebaut, diente sie ab 1878 vor allem als wasserbetriebene Holzschneiderei. Der Elsässer Louis Barthel und der Weinheimer Sohlenmacher Georg Heinzelbäcker produzierten Holzsohlen, die in Weinheim ihr Leder-Oberteil erhielten 1878 warb Louis Barthel sowohl für seine Mahlmühle und Holzschneiderei, aber auch für „Schuhe mit Holzsohlen in jeder Größe“.

 

Die Mühle wurde zwischen 1902 und 1904 stillgelegt. 1905 und in den Folgejahren bestand in dem Anwesen eine Pappdeckelfabrik. Diese gehörte 1912 Johannes Wurth.

 

Die Mühle war eine Mahlmühle. Wohnung und Mühlenbetrieb waren in einem Gebäude untergebracht. Das Gebäude ist erhalten. Es hatte ursprünglich 5 Fenster auf der Straßenseite (so aus dem Aquarell - Abb. 9a - von Franz Alois Herrmann, entstanden um 1943, gut zu erkennen) . Das Gebäude wurde zwischen 1960 und 1988 nach Westen (talwärts) erheblich verlängert und hat jetzt 7 Fenster auf der Straßenseite. Der Stadtbach und ein Mühlgraben verliefen südlich des Gebäudes.

 

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Abb. 9a: Schlappenmühle 2012 (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

 

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Abb. 9b: Schlappenmühle um 1943

(Quelle: Ausschnitt aus einem Aquarell von Franz Alois Herrmann, ganzes Bild siehe Kunstsammlung Maurer)

 

 

 

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Nr. 10:   Schneidmühle (Eberhardsmühle)   

(Siegfriedstraße 181)

 

Die Mühle war einst eine Mahlmühle. Im 19. Jahrhundert wurde die Mühle nach ihren Besitzern Eberhardsmühle und dann Helmlingsmühle genannt. Der heute übliche Namen Schneidmühle kommt von der nahen Flur „An der Schneidmühle“.

 

Die Mühle wurde vor 1768 errichtet. 1768 gab Peter Schuster 3 Malter Korn von der sog. Schneidmühle als Pacht. Etwa um 1804, spätestens 1809,  wurde Adam Eberhard (Eberhart) Besitzer der Mühle. Mitglieder dieser Familie waren Eigentümer bis 1861 und die Mühle wurde dementsprechend Eberhardsmühle genannt. Ab 1861 wechselten die Besitzer mehrfach.

 

Bekannte Besitzer mit Jahr der ersten Nennung:

 

- 1861 Georg Lulay II.,

- 1870 Joh. Becker (aus Kirschhausen),

- 1882 Johann Helmling IV.,

- 1902 Julius Glietenberg.

 

Die Getreidemühle wurde nach 1911 (1911 warb Julius Glietenberg noch für seine Kundenmüllerei) stillgelegt. Sie kam vermutlich bei der 1915 erfolgten Versteigerung in den Besitz von Johann Wurth und erhielt den Namen Wurth’sche Mühle. Johann Wurth ließ 1919 in der ehemaligen Mahlmühle eine Ölmühle einrichten, für die er sogar mit der Bezeichnung Ölfabrik warb.

1930 übernahm der Granit- und Syenitbetrieb von Alois Weimer das Anwesen. Die Wasserkraftnutzung wurde 1958 aufgegeben.

 

Die Mühle war eine Mahlmühle und nach deren Stilllegung einige Jahre eine Ölmühle. Sie hatte ein Wasserrad (um 1864 und früher sogar zwei Wasserräder) und die Fallhöhe betrug 7,0 m.  Aus dem Stadtbach wurde mit einem Streichwehr (Abb. 10 b) das Wasser in einen Mühlgraben zum Wasserrad geleitet. Dieser Mühlgraben war recht kurz

 

Das kombinierte Wohn- und Mühlengebäude ist erhalten (siehe Abb. 10a). Das ehemalige Streichwehr oberhalb der Mühle ist noch gut erkennbar (Abb. 10b).

 

Reste des Mühlgrabens im Garten, Reste des Antriebs (Königsrad) im Keller und die Inschrift „Adam Eberhart 1809“ auf einem Balken über der Einfahrt in die Scheune (Abb. 10c) erinnern an die Mühlenzeit.

 

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Abb. 10a: Schneidmühle 2013 (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

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Abb. 10b: Streichwehr oberhalb der Schneidmühle 2014 (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

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Abb. 10c: Balken mit Inschrift von 1809 an der Scheune (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

 

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Nr. 11:   Tugersmühle   

(Siegfriedstraße 124)

 

Die Tugersmühle war ursprünglich eine Mahlmühle (Getreidemühle), zeitweise auch zusätzlich eine Ölmühle (bis zu deren Verkauf 1843). 1860 betrieb der Müller auch eine Hanfreibe. Zu der Mahlmühle gehörten auch eine Bäckerei und ein landwirtschaftlicher Betrieb. Die Mühle hat ihren Namen nach ihren Besitzern, der bedeutenden Müller-Dynastie Tuger.

 

Die Mühle wurde vermutlich im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau und der Erweiterung der Stadt nach dem großen Brand von 1369 errichtet. Durch den Bau des äußersten Mauerzuges der Stadtmauer (4. Mauerzug nach H. Winter) und die Verlegung des Stadtbachs vor diesen Mauerzug änderten sich die Bedingungen für die Mühlen entlang des Stadtbachs. Hilfreich war, dass im 14. Jahrhundert die ersten oberschlächtig angetriebenen Wasserräder in Deutschland zum Einsatz kamen. Der Mühlgraben am Schloßberg wurde nach 1369 und vor 1480 erbaut und diente der Versorgung von drei Mühlen (Tugersmühle, Weihersmühle und Schäfersmühle), deren Wasserräder oberschlächtig mit Wasser, welches aus dem Stadtbach abgeleitet wurde, angetrieben wurden. 

Die  gemeinsame Nutzung eines Mühlgrabens durch drei hintereinander liegende Mühlen führte fast zwangsläufig zu Streitigkeiten und Schwierigkeiten und war offenbar der Anlass für den Mühlenvertrag von 1561, in dem „ Hannsen Schierig der Jüngere“ (auch Schirig, Scherig) verpflichtet wurde, dass er den Mühlgraben vom obersten Wehr (Abzweig vom Stadtbach) bis zum Ablass unter seiner Mühle durch "Ausfegen, Räumen und anderen Besserungen" unterhalten muss. In diesem Vertrag wird die Tugersmühle erstmals als oberste Mühle am Mühlgraben genannt. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren die Freiherren von der Hees und ab etwa 1770 die Freiherren Berghe von Trips die Besitzer der Mühle. 1769 wurde die Mühle an die Familie Tuger (Johannes Tuger aus Laudenbach) im Erbbestand verliehen.

 

Nachfolgende Mühlenbesitzer waren:

 

- 1786 bis 1830 Joh. Tuger,

- 1830 bis 1852 Friedrich Tuger,

- 1853 bis 1890 Georg Tuger I.,

– 1890 bis 1912 Georg Tuger II.

 

Um 1890 erfolgte der Umbau und die Modernisierung der Mühle. Dabei wurde das in Abb. 11a dargestellte Mühlengebäude (das hohe Gebäude rechts) auf 5 1/2 Stock erhöht. Das Verordnungs- und Anzeigeblatt von 1889 belegt die Umbauarbeiten, denn Georg Tuger I. bestellte 3.210 kg eiserne Säulen und 15.500 kg Eisenträger. Die alten Mahlgänge und das hölzerne Wasserrad mit einem eichenen Wellbaum wurden verkauft und durch moderne Walzenstühle und ein neues Wasserrad mit einer schmiedeeisernen Welle ersetzt. 1889 beantragte Georg Tuger I. auch eine Dampfkesselanlage. Ob diese genehmigt wurde, ist nicht bekannt, aber durch seine Position als Stadtrat anzunehmen. Zudem wurde 1890 ein Maschinenhaus gebaut. Sein Sohn Georg Tuger II. erhielt 1904 die Genehmigung für einen feststehenden Dampfkessel. Insgesamt brachten Georg Tuger I. und sein Sohn die Mühle auf den neuesten Stand der Technik. Die Mühle wurde damit zur Kunstmühle und Georg Tuger II. nannte sich schon 1893 stolz Kunstmühlenbesitzer. 

Ein Stahlstich der oberen Vorstadt enthält sehr gut dargestellt die Tugersmühle kurz vor dem großen Umbau. 

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Abb. 11a: Tugersmühle vor der Aufstockung 1890  (Quelle: 1200 Jahre Heppenheim)



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1895 wurde das dreistöckige Wohnhaus des Georg Tuger II. errichtet, zu dem der 1890 gebaute fünfeinhalbstöckige Mühlenbau mit zahlreichen Nebengebäuden gehörte.

 

Um die Jahrhundertwende unterhielt der rührige Müller Georg Tuger eine Mustermühle für verschiedene Müllereimaschinen der Firma Ganz & Cie, Budapest-Ratibor-Leobersdorf. 1900 erweiterte Georg Tuger II. die Mühle und Bäckerei zu eine „Nudel- und Maccaroni-Fabrik“. 1905 wird Georg Tuger II. im Adressbuch als Esswarenfabrikant bezeichnet. Die Firma wurde 1911 als „Erste Deutsch-Italienische Eierteigwaren- und Maccaronifabrik GmbH“ im Handelsregister eingetragen. Die Mühle wurde zw. 1913 und 1933 stillgelegt. 1916 wurde das Wasserrad verkauft, das 6 m Durchmesser und eine Breite von 1,20 m hatte. Am 24. Dezember 1916 gab es einen großen Brand in der Mühle.

 

Die Mühle war eine Mahlmühle. Zeitweise, bis 1843, war an dem Standort zusätzlich auch eine Ölmühle.

 

Das Wohnhaus von Georg Tuger II. von 1895 sowie das Mühlen- und die Fabrikgebäude aus der Zeit um 1910 sind im Wesentlichen erhalten. Auch sind auf der Bergseite alte Keller erhalten. In dem Anwesen ist der Verlauf des Mühlgrabens noch gut erkennbar.

 

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Abb. 11b: Tugersmühle und Nudelfabrik 1912, Firmenlogo (Quelle: Archiv D. Schnabel)



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Weitere Informationen zu der Müller-Dynastie TUGER und ihren drei Mühlen in Heppenheim und Hambach finden Sie auf folgender Internet-Seite:
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www.mueller-heppenheim.de/tuger1.htm

 

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Nr. 12:   Schindersburg  -  Wohnhaus eines wohlhabenden Müllers  

(Siegfriedstraße 104)

 

Nach der heute noch sichtbaren Inschrifttafel (Abb. 12b) und der Jahreszahl 1577 über dem Kellereingang wurde das Gebäude 1577 von dem Müller Hans Scherig und seiner "ehelich Hausfrau Ket" (Ket  ist die Kurzform von Katharina) als Wohnhaus erbaut. Der große und prächtige Bau lässt darauf schließen, dass der Müller ein wohlhabender und bedeutender Mann war. Der Standort der zugehörigen Mühle ist nicht zweifelsfrei geklärt, da die Tugersmühle als nächste bekannte Mühle relativ weit entfernt liegt (ca. 90 m Luftlinie). Auch über die weiteren Besitzer und die weitere Nutzung ist nichts bekannt.

Im 19. Jahrhundert wohnten von 1850 bis 1888 die Familien von Johann Schmitt VI. und seinem Sohn Johann Schmitt VII. in dem Haus. Sie waren Wasenmeister (Abdecker), die das gefallene und verendete Vieh zum „Schinderswasen“ außerhalb der Stadt transportierten. Im Volksmund erhielt das Haus daher den Namen „Schindersburg“.

Um 1896 erfolgte der Übergang des Gebäudes in das Eigentum der Stadt Heppenheim. Ab etwa 1897 wurde es als „Armenhaus“ von der Stadt zur Unterbringung mittelloser Familien genutzt. Die Erhaltungsarbeiten beschränkten sich auf das Allernötigste. So wurden 1924 „Tüncherarbeiten und Schreinerarbeiten bei Herstellung von Räumen im städtischen Hause (Schindersburg)“ durch das Stadtbauamt vergeben. Aus dieser Zeitungsbekanntmachung sieht man, wie sich der Name „Schindersburg“ etabliert hatte.

1960 teilten sich 50 Personen den Wohnraum auf drei Geschossen. 1979 kam das heruntergekommene Gebäude in privaten Besitz und wurde bis 1984 vollständig saniert und renoviert. Die Eintragung in das Denkmalbuch wurde 1985 nachgeholt.

Seit der Renovierung in den 1980er Jahren ist das Haus ein Schmuckstück der Heppenheimer Altstadt und des Mühlenrundwegs.

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Abb. 12a: Schindersburg 2012 (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

 

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Abb. 12b: Inschrifttafel 2016 (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

 

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Nr. 13: Mühlgraben am Schlossberg

(Zugang über den Lindenfelser Weg)

 

Der Antrieb der Heppenheimer Mühlen erfolgte durch Wasserkraft. Das Wasser wurde aus den Bächen durch Mühlgräben (auch Mühlkanäle genannt) zugeleitet. Der bedeutendste Mühlgraben ist der noch teilweise erhaltende Mühlgraben am Fuß des Schlossbergs, der sein Wasser aus dem Stadtbach erhielt. Er war die Lebensader für drei alte, bedeutende Mühlen (siehe Nr. 11, 14, 15). Er und die Mühlen wurden im Salbuch von 1480 genannt. Entstanden ist er wahrscheinlich lange vorher nach der Vergrößerung der Stadt und dem Bau des 4. Ringes der Stadtmauer nach 1369 .

Der Mühlgraben begann in der Vorstadt an einem Mühlwehr im Stadtbach (siehe Nr. 7) in Höhe der Siegfriedstraße 145 und führte nördlich der Siegfriedstraße am Hang des Schlossberges entlang zuerst zur Tugersmühle und dann weiter zu den beiden anderen Mühlen. Nach der Durchleitung durch die Weihersmühle wurde das Wasser zurück in den Stadtbach geleitet. Insgesamt war der Mühlgraben 663,50 m lang und sollte die gesetzliche Breite von 5 Schuh (= 1,35 m) haben, was aber zuletzt nach Ausbetonierung nicht mehr der Fall war. Die Tiefe war gering und betrug etwa 0,5 m. Der Bau des Mühlgrabens war in der damaligen Zeit ein großes Unternehmen. Da der Mühlgraben die Lebensader der drei Mühlen war, musste er ständig gereinigt und geräumt werden. Erdreich aus darüber liegenden Wingerten rutschte immer wieder in den Graben, Bäume und Sträucher wuchsen in den Grabenbereich. Immer wieder gab es Probleme: Anlieger gruben Grund am Damm ab, Müller erhöhten den Wasserstand, Undichtigkeiten des Dammes führten zu Wasserschäden in den anliegenden Häusern.

Große Unwetter führten immer wieder dazu, dass Schlammlawinen vom Schlossberg den Mühlgraben zuschütteten. Eine Flickstelle in der Rinne des Mühlgrabens mit der Inschrift „FK 08“ erinnert noch heute an das große Unwetter vom 5. Juni 1908 (Abb. 13e).

Um die nachbarlichen Streitigkeiten und Irrungen über den Wassergang, das Wehr, den Abschlag und die Reinigung des Grabens zu beenden, wurde 1561 ein Mühlenvertrag zwischen den drei Müllern im Beisein des Schultheißen und dreier Ratsmitglieder abgeschlossen. Dieser Vertrag wurde später immer wieder bestätigt und galt bis zur Stilllegung des Mühlgrabens. Diese erfolgte 1950 nachdem die Schäfersmühle als letzte der drei Mühlen aufgehört hatte zu arbeiten. Danach blieb die Rinne noch einige Zeit erhalten, um nach Regengüssen das Wasser vom Schlossberg abzufangen. Heute ist der Mühlgraben größtenteils zugeschüttet und im Bereich der ehemaligen Tugersmühle überbaut. Der Verlauf ist aber noch sehr gut erkennbar und einige der alten Brücken über den Mühlgraben zu den Weinbergen sind bis heute erhalten. Ein teilweise zugeschütteter und zugewachsener Abschnitt des Mühlgrabens östlich der Schäfersmühle wurde im Juni 2014 wieder freigelegt und zeigt die Betonrinne und die Tiefe und Breite des Mühlgrabens (Abb. 13d).

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Abb. 13a: Mühlgraben (Stadtplan von 1899) - (Quelle: Archiv Geschichtsverein)

 

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Abb. 13b: Mühlgraben vor 1950, noch mit Wasser (Quelle: Archiv Hans-Joachim Büge)

 

 

 

 

Abb. 13c: Eine der schönen alten Brücken über den einstigen Mühlgraben 2013 (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

 

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Initiiert und unterstützt durch die Altstadtfreunde und den Heppenheimer Geschichtsverein hat die Stadtverwaltung Heppenheim den westlichen Teil des einstigen Mühlgrabens im Juni 2014 freilegen lassen, so dass er heute wieder gut sichtbar ist (siehe Abb. 13d):

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Abb. 13d: Freigelegter Abschnitt des Mühlgrabens im Juni 2014 (Quelle: Foto von Frau Dagmar Jährling)

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Bei der Freilegung wurde die Schrift „FK08“ sichtbar (Abb. 13e). Inzwischen wurde ermittelt, dass dies für „Flutkatastrophe 1908“ stehen könnte. Am 5. Juni 1908 war in Heppenheim das schwerste Unwetter seit einem extremen Wolkenbruch im Jahr 1837. Bei dem Unwetter 1908 hatte der Mühlgraben erheblich gelitten und musste von angeschwemmtem Grund befreit und ausgebessert werden.

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Abb. 13e: Flickstelle im Mühlgraben mit „FK 08“  (Quelle: Foto von Dr. H. Müller, Juni 2014)

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Am  3. Oktober 2015 wurde am Mühlgraben eine Geopunkttafel des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald (als Geopark von der Unesco anerkannt und unterstützt) eingeweiht und enthüllt. Diese Geopunkttafel informiert ausführlich über die historische und technische Bedeutung des Mühlgrabens. 

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Abb. 13f: Enthüllung der Geopunkttafel "Mühlgraben" (Quelle: Foto von Dagmar Jährling, Oktober 2015) 

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Ein Stein in der Stützmauer entlang des westlichen Bereiches des Mühlgrabens (zwischen dem Weg zur ehemaligen Synagoge und dem 5-Minuten-Pfad zur Starkenburg) zeigt die Inschrift "J 1618".  Daraus kann vermutet werden, dass diese Mauer etwa 400 Jahre alt ist.

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Abb. 13g: Stein mit der Inschrift "J 1618"   (Quelle: Foto von Dr. H. Müller , April 2015) 

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Nr. 14: Schäfersmühle (in der oberen Vorstadt)

(Siegfriedstraße 32)


Die Mühle hat ihren Namen von den letzten Besitzern, der Müller- und Bäckersfamilie Schäfer. Gemeinsam mit der unterhalb gelegenen Weihersmühle wurde die Schäfersmühle schon 1480 im Salbuch erwähnt. Die Schäfersmühle war 1480 im Besitz der Erben des Müllers Herman Muller. Kurz vor 1600 kam die Mühle aus den Händen des verschuldeten Junkers Hans von Zedwitz in das Eigentum der Heppenheimer Kirche, wo sie bis 1844 verblieb. Daher hatte sie auch den Namen Kirchmühle. Die Mühle lag hoch am Hang, die Gebäude davor überragend. Dies ist auch in der Abbildung zu sehen, in der die Mühle links oben im Hintergrund zu sehen ist. Es ist anzunehmen, dass die Mühle mit der „Hoh Mühl“, die um 1700 genannt wurde, identisch ist. Die Frau des Müller Johann Peter Gleber wurde 1698 als „Hohenmüllerin“ bezeichnet. Seit 1681 wurde sie erblich verpachtet. Der Müller und Pächter Johann Meinberg zahlt 1844 ein Ablösungskapital für das Erbleihgut an die Kirche und wird Besitzer der Mühle.

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Der Kupferstich von Matthäus Merian, den Bauzustand von Heppenheim um 1612 zeigend, enthält sehr wahrscheinlich die Schäfersmühle (damals Kirchmühle) und die nahe dabei liegende Weihersmühle (damals Propstmühle). Siehe dazu Abb. 14b.

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Die Mühle war eine Mahlmühle (Getreidemühle). Schon 1850 wird zusätzlich auch eine Hanfreibe und 1851 eine Bäckerei genannt. 1851 war das Mühlwerk nach "Amerikanischer Einrichtung" ausgestattet, d. h. weitgehend automatisiert. Auch hatte sie drei Mahlgänge und einen Schälgang. D. h. die Schäfersmühle war um diese Zeit die vermutlich modernste und leistungsstärkste Heppenheimer Mühle. 

1868 wirbt der Müller Georg Meinberg I. auch mit seiner „Bad-Anstalt mit kalten und warmen Bädern“.
Die enge Verbindung zwischen Mahlmühle und Bäckerei blieb bis zur Zerstörung der Mühle durch einen Brand am 20. April 1949 erhalten.
Nach dem Brand wurde die Mühle nicht mehr aufgebaut und 1987 abgerissen. Mit der Zerstörung verlor auch der Mühlgraben seine Aufgabe und wurde aufgegeben.

 

Bekannte Erbpächter und Mühlenbesitzer mit Jahr der ersten Nennung:

 

- Nikolaus Kämmerer (1782),

- Abraham Kämmerer (1785),

- Georg Faulhaber (1801),

- Johann Giegerich I. (1805),

- Johann  Meinberg (1814),

- Georg Meinberg I. (1851 und erneut 1868),

- Carl Zutavern I. (1865),

- Philipp Burger I. (1877),

- Philipp Schäfer I. (1897),

- Philipp Schäfer II. (1914).

 

 

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Abb. 14a: Schäfersmühle links oben im Hintergrund, um 1905  (Quelle: Archiv Dieter Schnabel)

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 Abb. 14b: Schäfersmühle und Weihersmühle um 1612   
(Quelle: Ausschnitt aus der Abbildung von Heppenheim in Merian Topographia Germaniae, Erstausgabe 1645)

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 Abb. 14c: Abgebrannte Schäfersmühle beim Abbruch 1987  (Quelle: Wolfgang Schäfer)

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Die Mahlmühle wurde durch ein Wasserrad angetrieben und 1940 auf Turbinenantrieb umgestellt.

 

Hinter dem heutigen Bäckereigebäude sind heute – nicht zugänglich – noch der Verlauf des Mühlgrabens, die ehemaligen Backöfen und Grundmauern des Mühlengebäudes erhalten.

 

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Nr. 15: Weihersmühle

(Siegfriedstraße 30)

 

Die Mühle hat ihren Namen von ihrer letzten Besitzerfamilie, der Müllerfamilie Weiher. Ursprünglich - über einige Jahrhunderte - gehörte die Mahlmühle wohl dem Prämonstratenserkloster Lorsch (1248-1557) und wurde daher „des Probsts von Lorsch Mole“ bzw. Propstmühle genannt. Erstmals 1480 im Salbuch erwähnt, könnte sie eine der ältesten Mühlen Heppenheims sein.

 

Die Mühle hatte im Laufe der langen Zeit viele Besitzer und Pächter. So kam sie – erste urkundliche Nennung in Klammer -  in den Besitz von Theobald Bauer (1768), Georg Adam Dörr (1802) und Lorenz Meinberg (1829). Ab 1875 kam es zu häufigen Wechseln von Besitzern und Pächtern:

 

Johann Neff, Mathias und Karl Mattern, Amandus Boch, Franz Creuzburg und dann 1910 Johann Nikolaus Weiher.

Seit etwa 1920 bis zu ihrer Zerstörung 1945 war die Mühle an den Müller Oskar Dittrich und dessen Sohn Oskar verpachtet.

 

Zusammen mit der benachbarten Schäfersmühle und der fast 400 Meter weiter östlich liegenden Tugersmühle wurde die Weihersmühle aus dem Stadtbach über den am Fuße des Schlossberges entlangführenden Mühlgraben mit Wasser versorgt.

 

Die Mahlmühle war für frühere Verhältnisse recht groß, denn sie hatte 1826 als „Propst Mühle“ mit zwei Wasserrädern im Vergleich mit anderen Mühlen sehr hohe Abgaben an den Fiskus zu zahlen. Um 1900 gehörten noch eine Bäckerei, Werkzeugschleiferei und Sägerei zu der Mahlmühle.

 

Das Gebäude wurde beim Einmarsch der Amerikaner am 27. März 1945, morgens um 7.45 Uhr, durch einen Bombenangriff völlig zerstört. Dabei stürzte das Gewölbe des Kellers ein, in den sich der Pächter der Mühle, der alte Müller Oskar Dittrich und seine Frau Barbara sowie weitere Personen geflüchtet hatten. Oskar Dittrich wurde durch die einstürzende Decke tödlich verletzt und starb noch am gleichen Tag. Seine Frau wurde schon bei dem Angriff durch die Verschüttung getötet.

 

Die zerstörte Mühle wurde abgerissen. Auf dem Anwesen wurde später ein Wohnhaus gebaut.

 

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Abb. 15: Weihersmühle  (Quelle: Archiv Dieter  Schnabel)

 

 

 

  

Nr. 16: Haus Fischweiher Nr. 19

(Fischweiher Nr. 19)

 

In dem Buch "Kulturdenkmäler in Hessen" steht zu dem zwischen Straße und Stadtbach gelegenen Haus: "Das Gebäude, das vermutlich als Mühle diente, soll im Jahr 1836 entstanden sein." Von der Lage her ist eine Mühle denkbar, aber es wurden bisher keine Beweise dafür gefunden, dass an diesem Standort einmal eine Mühle war.

Ein Lageplan aus der Zeit um 1875 zeigt  in diesem Bereich keine Mühle. Allerdings beantragte Georg Schäfer aus Kirschhausen 1875 etwas unterhalb des Hauses Nr. 19 die Erbauung einer Schütze zur Bewässerung seiner Wiesen. in Fischweiher.

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Abb. 16: Haus Fischweiher Nr. 19  (Quelle: Kulturdenkmäler Hessen)

 

 

 

  

 

Nr. 17: Rothermelsmühle

(Fischweiher Nr. 29)

 

Die Mühle hat ihren Namen von der Familie Rothermel, welche als letzte die Mühle vor der Stilllegung betrieb. Die Mahlmühle wurde schon vor 1811 erbaut. Um 1829 wurde zusätzlich zur Mahlmühle auch eine Ölmühle betrieben. Nach 1845 wird auch eine Hanfreibe genannt.  

Lorenz Schmitt war 1811 der Besitzer und zahlte jährlich 1 Malter, 3 Simmer und 1 Mäßchen Korn als Pacht. 1831 kam die Mühle in den Besitz der Familie Berg und wurde von da an Berg'sche Mahlmühle genannt. Um 1861 wurde Johann Meinberg I. zum Mühlenbesitzer. 1873 kam es zum Konkurs, wie im Verordnungs- und Anzeigeblatt für den Kreis Heppenheim zu lesen war. Von 1874 bis 1888 blieb die Frau des Johann Meinberg I. im Besitz der Mühle. Nach einer Phase mit mehreren Eigentümer- und Pächterwechseln kam die Mühle 1904 in den Besitz von Stephan Rothermel dessen Nachfahren das Anwesen auch heute noch besitzen. Stephan Rothermel gab spätestens 1909 die Müllerei auf und verkaufte die Mühleneinrichtung, siehe Abb. 17b. Dabei wurde auch ein fast neues Schöpfwerk zum Verkauf angeboten. Möglicherweise wurde damit etwas irreführend das Becherwerk (der Elevator) bezeichnet, da es für ein echtes Schöpfwerk keine Hinweise gibt. 

An der Stelle der alten Mühle steht heute ein neues Wohnhaus (Haus-Nr. 29). Der Verlauf des Mühlgrabens ist im Gelände noch erkennbar.

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Abb. 17a: Rothermelsmühle um 1900  (Quelle: Kreisarchiv)

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Abb. 17b: Aufgabe der Müllerei 1909  (Quelle: Archiv Dr. H. Müller)

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Nr. 18: Pulvermühle

(zwischen Fischweiher und Schäfersmühle im Kirschhäuser Tal)

 

Die Pulvermühle wurde 1723 erstmals urkundlich als "zum Oberamt gehörige Pulvermühle" genannt. Wann sie erbaut wurde, ist unbekannt. In den Kirchenbüchern von Heppenheim und auf alten Karten findet man die Pulvermühle. 1817 wurde Georg Michel als Müllermeister "nächst der Pulvermühle" genannt. Da Georg Michel als Müller auf der Schäfersmühle war, ist zu folgern, dass die Pulvermühle in der Nähe der Schäfersmühle lag.  Alle vorliegenden Informationen sprechen dafür, dass die Pulvermühle zwischen der Schäfersmühle und der Rothermelsmühle südwestlich des Flurstücks "An der Lohmühle" lag.

Nach einer Explosion im Jahr 1768, welche die Pulvermühle zertrümmerte, wurde die Mühle zur Lohmühle umgebaut und als solche bis 1819 betrieben. Sie geriet sofort nach der Stilllegung in Zerfall. Im Brandkataster (für die Zeit von 1823 bis 1843) ist dokumentiert, dass die Lohmühle des Lorenz Schmitt (Besitzer der nahegelegenen Rothermelsmühle) abgerissen ist. In welchem Jahr der Abriss genau erfolgte, bleibt offen. Das Gebäude wurde noch erfasst und ist sehr wahrscheinlich in dem Katasterplan von 1842 zu sehen, in dem eine Fläche enthalten ist, die einem Hausgrundriss entspricht.

Heute ist nichts mehr von der Pulvermühle zu sehen.

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Abb. 18: Flur "An der Lohmühle" um 1842  (Quelle: Archiv des Geschichtsvereins)

 

 

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Nr. 19: Schäfersmühle (oberhalb von Fischweiher)

(Fischweiher Nr. 51)

 

Die Schäfersmühle hat ihren Namen von der in Kirschhausen ansässigen Müller-Familie Schäfer. Diese Familie hatte die Mühle (Anwesen Nr. 599 und 600) von 1863 bis 1869 teilweise und dann bis 1886 ganz und danach - bis 1907 - wieder nur teilweise in Besitz. Die Mahlmühle wurde 1800 errichtet und zwischen 1902 und 1907 stillgelegt. Schon 1809 wurde zusätzlich eine Ölmühle betrieben. Diese wurde nach 1894 stillgelegt. 

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Mühlenbesitzer waren um 1811 der Müllermeister Georg Michel und sein Halbbruder, der Ölmüller Peter Michel. Die Familie Michel betrieb die Mühlen bis zum Tod des Müllers Georg Michel im Jahr 1853 und der Auswanderung seines Neffen, des Ölmüllers Adam Michel, in die USA mit Frau und Kindern ebenso im Jahr 1853. Danach (1863 auf Anwesen 599 und 1869 auf Anwesen 600) kam die Familie Schäfer in den Besitz der Mühle. 1920 wurden nach mehreren Besitzerwechseln die Odenwald-Granitwerke Sonderbach OHG die neuen Eigentümer, allerdings auch nur für einige Jahr.  Nach länger Zeit im städtischen Besitz kam das Mühlenanwesen 1998 wieder in Privatbesitz und wurde liebevoll renoviert. 

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Die Brandkataster aus der Mitte des 19. Jahrhunderts belegen, dass es damals zwei komplette Mühlen an diesem Standort mit  verschiedenen Besitzern gab. Jede Mühle hatte ihr eigenes Gebäude und ein eigenes Wasserrad. Es gab 1867 sowohl eine Mahlmühle (Nr. 599) als auch eine Mahl- und Ölmühle (Nr. 600). Das Feuerversicherungsbuch enthält für das Gebäude Nr. 599  folgende Informationen: „1867: Mahlmühle 2 Stock mit Wohnung und Keller nebst Mühlbiet (220 Mark), 3340 Mark; jetzt (1.1.1913) Mahlmühle 2 Stock mit Wohnung und Keller; jetzt (25.05.1921) Fabrikbau mit Wohnung, 2 Stock“. Die Mahlmühle hatte einen Mahlgang und einen Schälgang. Für das Gebäude Nr. 600 wurde angegeben:  „1894: Wohnhaus 1 Stock mit Oehlmühle und Mahlmühlenbau nebst Mühlbiet (50 M).“ 1913 wurden diese Gebäude (Nr. 600) in dem Buch durchgestrichen und bestanden anscheinend nicht mehr. 

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Von den einstigen Mühlen sind ein umgebautes Wohnhaus - wohl Nr. 599 - sowie  Mauerreste und Reste des Mühlgrabens erhalten. 

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Abb. 19a: Schäfersmühle um 1900 von Osten  (Quelle: Archiv des Heppenheimer Geschichtsvereins)

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Abb. 19b: Schäfersmühle 2016 mit Gebäuderest von Südosten (Quelle: Foto von Dr. H. Müller, März 2016)

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Nr. 20: Untere Mühle (in Kirschhausen)

(Siegfriedstraße 305)

 

Die Untere Mühle in Kirschhausen war eine 1805 erbaute Mahlmühle. Im Vergleich mit den vielen anderen Heppenheimer Mühlen war sie eine recht große Mühle. 1898 besaß sie gemäß einer Versteigerungsanzeige 2 Mahlgänge und einen Schälgang. Außerdem war damals auch eine Schleifmühle nahe bei der Mahlmühle auf dem Mühlengrundstück. Das Wasserrad auf der Südseite der Mühle wurde über einen Mühlgraben aus dem Stadtbach (Kirschhäuser Bach) gespeist. 

Der Müller Johann Schäfer, Senior, geboren 1760, gestorben 1831, erhielt 1805 die Konzession zur Errichtung einer Getreidemühle. Er besaß bereits eine Schneidmühle (Schleifmühle genannt, siehe Station 21), die an der Siegfriedstraße etwa 50 m oberhalb der Unteren Mühle lag. Die neue Getreidemühle (Mahlmühle) wurde auf dem Areal, auf dem heute die Gaststätte "Zur alten Mühle" steht, erbaut. 

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Über vier Generationen stellten Johann Schäfer und seine Nachfahren die Müller auf der Mühle. Allerdings starb sein Sohn Johann 1834 schon mit 51 Jahren. Der aus Fürth stammende Müller Leonhard Zeiß kam jetzt in den Besitz der Mühle. 1864 wurde er als Mahlmüller auf Platz 38 der 61 Höchstbesteuerten des Steuercommissariats Heppenheim eingestuft. Er besaß das Anwesen bis zu seinem Tod im Jahr 1866. Da er keine geeigneten Nachfahren hatte, kam die Mühle wieder in den Besitz der Kirschhäuser Müller-Familie Schäfer. Philipp Schäfer I. wurde Müller auf der Unteren Mühle. Um 1885 übergab er die Mühle an seinen Sohn Johann Schäfer II. Als dieser 1893 im Alter von nur 39 Jahren starb, waren seine 3 Söhne noch Kinder und es fehlte ein Nachfolger. Sein alter Vater (Philipp Schäfer I., geboren 1828, gestorben 1901) übernahm nochmals das Mühlenanwesen mit Mahlmühle, Schleifmühle und der nahegelegenen Schneidmühle (Schleifmühle genannt). 1898 bot er das gesamte Anwesen mit allen drei Mühlen zur Versteigerung an. Verkauft wurden wohl nur die Schneidmühle und die nahegelegende Schleifmühle, denn die Mahlmühle wurde von seiner Witwe 1905 erneut zur Versteigerung angeboten. Das Anwesen wurde aber nicht an Fremde verkauft, sondern blieb im Besitz der Familie Schäfer bis heute. 

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Die Mahlmühle wurde in der Zeit zwischen 1898 und 1907 stillgelegt  und das Inventar verkauft. 1909 wurden die "Champagner-Mühlsteine" von dem Besitzer Adam Schäfer IV. verkauft. Im Feuerversicherungsbuch wird das Gebäude 1910 nur noch als "Alte Mühle, 2 Stock mit Wohnung" aufgeführt.

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Durch den Abriss des alten Mühlengebäudes um 1973, den Neubau der Gaststätte "Zur alten Mühle" und des "Mühlenkellers" sowie den Bau der Brentanostraße wurde das Gelände völlig neu gestaltet. Nur das Gesindehaus (Siegfriedstraße 303) blieb erhalten und wurde an gleicher Stelle um 2005 durch einen Neubau ersetzt.

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Abb. 20a: Untere Mühle um 1960, rechts das Gesindehaus  (Quelle: Gemälde von Heinrich Herrmann, fotografiert von Norbert Müller)

  

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Abb. 20b: Untere Mühle um 1965  (Quelle: Foto von Frau Martha Deigner)

  

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Nr. 21: Schleifmühle (in Kirschhausen) 

(Siegfriedstraße 313)

 

Diese Mühle hat ihren Namen von der dahinter liegenden Flur "Schleifmühle". Schon um 1700 gab es die Flurbezeichnung "gegen der Schleifmühlen uf der Auwen".  Daraus kann geschlossen werden, dass es in dieser Gegend schon vor 1700 eine Mühle mit dem Namen Schleifmühle gab. Ob diese alte Mühle der Stein- oder Metallschleiferei diente, ist unbekannt. 

Schon vor 1805 besaß Johannes Schäfer Senior an dem heutigen Mühlenstandort eine Schneidmühle. Diese Schneidmühle wurde 1898 von Philipp Schäfer I. zusammen mit der Unteren Mühle zur Versteigerung angeboten und kam anscheinend in den Besitz von Johann Schäfer III., der aber bald darauf starb, denn seine Witwe informierte Anfang 1901 dass sie die Holzschneide-Mühle weiter betreibe. Wie lang die Schneidmühle noch in Betrieb war, ist noch unbekannt. Mit dem Namen "Schneid-Mühle" ist sie um 1920 (noch nicht genau datiert) in einer Karte mit dem Heppenheimer Stadtwald eingetragen.

Die Mühle soll in einem erhaltenen Nebengebäude gewesen sein, das heute zu einem Steinmetzbetrieb gehört. Auf die ehemalige Mühle deutet nichts mehr hin. Die Wasserkraftanlage wurde 1964 stillgelegt. Das Wasserrad nutzte eine Fallhöhe von 7,40 m.

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Abb. 21: Katasterplan mit der Unteren Mühle links und der Schleifmühle rechts sowie der Flur Schleifmühle   (Archiv des Geschichtsvereins)

  

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Der "Heppenheimer Mühlenrundweg" ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Heppenheim, des Vereins Heppenheimer Altstadtfreunde e. V.  und des Heppenheimer Geschichtsvereins e. V.

www.heppenheim.de

www.heppenheimer-altstadtfreunde.de

www.bergstrasse.de/geschichtsverein-hp

 

Der Verfasser dankt allen Unterstützern und Helfern. 

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Ergänzende Informationen sind sehr erwünscht!

Adresse, Impressum, Copyright usw. gelten entsprechend der übergeordneten Haupt-Homepage:

 

www.mueller-heppenheim.de

 

ENDE

Seite zuletzt bearbeitet am 2. Juni  2017.